Leibniz-Forschungsverbund
Energiewende

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Living labs für angewandte Forschung

Der Leibniz-Forschungsverbund Energiewende arbeitet eng zusammen mit zwei Living labs, in denen die Möglichkeiten und Grenzen neuer Energietechnologien in der realen Anwendung getestet werden. Dies sind der EUREF-Campus in Berlin Schöneberg und die Energie-Avantgarde in der Region Anhalt-Dessau.


European Energy Forum (EUREF), Berlin

Der Berliner EUREF-Campus wurde im Jahr 2007 als Pionierstandort für die Erprobung innovativer Umwelttechnologien ins Leben gerufen. Auf dem Campus arbeiten zahlreiche Forschungseinrichtungen und Privatunternehmen zu den Themen Klima, Mobilität und Energie.
Im Zentrum der experimentellen Tätigkeiten auf dem EUREF Campus steht ein Modellversuch zur Verknüpfung von erneuerbarer Stromversorgung, intelligenten Netzen und Elektromobilität. Im Rahmen der Forschungsprojekte „Mobility2Grid“ und „Micro-Smart-Grid EUREF“ wird auf dem Gelände ein intelligentes Stromnetz entwickelt, das mit mehreren campuseigenen Energieerzeugungsanlagen und einer Flotte von Elektroautos verbunden ist. Vier Photovoltaik-, mehrere Kleinwindanlagen und ein Biogas-Blockheizkraftwerk sind bereits in das Netz integriert. Weitere technische Versuchsanlagen sind in Planung, darunter ein „Power-to-Heat“-Wasserspeicher, zwei Elektrolyseanlagen sowie zwei auf Induktion basierende E-Stellplätze. Auf dem EUREF-Campus befindet sich bereits Europas größte E-Carsharing-Station, auf der verschiedene Unternehmen neue Ladetechnologien erproben.
Der Leibniz-Forschungsverbund Energiewende steht in enger Verbundung zu den auf dem Campus tätigen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, insbesondere der TU Campus EUREF gGmbH, dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) und dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC).


Energie-Avantgarde, Region Anhalt-Dessau

Die Region Anhalt-Dessau besitzt eine starke Identität als Energieregion des fossilen Zeitalters. Die Vergangenheit als Energiezentrum ist ein reales Wirtschafts- und ein informelles Kulturgut. Die Energie-Avantgarde hat sich zum Ziel gesetzt, in dieser Region ein integriertes, auf erneuerbaren Quellen beruhendes regionales Energiesystem aufzubauen, das zu einer Integration mit der Wärme-/Kälteversorgung und der Mobilität führt, und das regionale Wertschöpfung stärkt. Um dieses Ziel umzusetzen, haben sich verschiedene Akteure zusammengetan, darunter private Unternehmen, öffentliche Institutionen und wissenschaftliche Einrichtungen. Ihr gemeinsames Vorhaben wird seit Mai 2015 von der RWE-Stiftung gefördert.

In der 400.000 Einwohner zählenden Region gibt es bereits viele Wind-, Solar- und Biogasanlagen. In den nächsten 3 - 5 Jahren sollen nun Flächen- und Produktivitätsreserven gehoben und Prosumenten in ihrer Doppelrolle gefordert werden. Zum einen wird ein regionales Grünstromangebot angestrebt. Dieses soll einen schrittweise wachsenden Anteil tatsächlich vor Ort produzierten Grünstroms enthalten, ohne dabei einfach den Strompreis zu erhöhen. Auf Grundlage eines zu ermittelnden Optimums im Verhältnis von Eigenverbrauch und Netzeinspeisung sollen Prosumenten sukzessive in einem regionalen Netzbereich integriert werden.  Dafür braucht es eine robuste Datenbasis, wann und wo Energie erzeugt wird und wie die wirklichen Lastverläufe sind. Zum anderen verspricht die Verknüpfung bisher weitgehend getrennter Energiesektoren Synergieeffekte.

Der Leibniz-Forschungsverbund Energiewende wird den Umsetzungsprozess im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte begleiten. Fragen, die in diesem Zusmamenhang gestellt werden, sind:

Wie ist es um die „Energieelastizität“ tatsächlich bestellt? Wie passen sich die Profile an ein kaum beeinflussbares „Dargebot“ an? Gibt es überhaupt ein „Standardlastprofil“, auf das so gerne verwiesen wird? Verhalten sich die Prosumenten nicht vor allem ganz egoistisch, orientieren sie sich nicht einfach am eigenen Bedarf und an den Verlockungen von Einspeisegarantien? Was passiert, wenn Energieversorger nicht mehr für Alles und Jeden selbst zuständig sein wollen und mehr Verantwortung in die Hände von Bürgern und Bürgerinnen, Initiativen und Firmen verlagern? Entsteht tatsächlich ein Gemeinschaftswerk, in dem die Bürger so viel Solar- und Windkraftanlagen installieren, wie es baulich möglich und energiewirtschaftlich sinnvoll ist? Passen sie ihren eigenen Energiebedarf an die natürlichen Schwankungen an, bauen sie Speicher zu oder kaufen sie Dienstleistungen für ein smartes Lastmanagement ein? Gibt es solche „Energiepioniere“ überhaupt? Welche Rahmenbedingungen braucht eine dezentrale Energieproduktion und -konsum? Welche sozialen Innovationen und welches Marktdesign braucht die Energiewende?